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'art-verwandt'
Fotos von Anton und Jochen Stankowski
Jakob Richard, SAX 9/2008

Es ist ein Rätsel und faszinierend, wenn Verwandte der gleichen künstlerischen Profession nachgehen und sie eigenständige Werke schaffen. Persönliche Nähe kann aber auch in Peinlichkeit münden, falls die Zweiten oder Dritten den Ersten ähnlich dem Sackhuppen beim Kindergeburtstag nachstolpern. Berühmt und tragisch sind jene Biographien, da sich Liebende zerfleischen, weil sie in Malerei, Literatur oder Musik die Gleichrangigkeit des anderen nicht aushalten können. Bei Anton und Jochen Stankowski lag die Sache von Anfang an wegen des Altersunterschiedes eher einfach.

Anton Stankowski wird 19o6 geboren, studiert ab 1927 an der Folkwangschule zu Essen Typographie, Grafik und Photographie. Sein Lehrer wird Max Burchartz, der Kurt Schwitters und EI Lissitzky kennt, die ersten Arbeiten der 'Funktionalen Grafik' entstehen. Ab 1929 arbeitet er im Züricher Werbestudio Max Dalan, konzipiert seine 'Gestaltungslehre', muss aber 1934 die Schweiz nach Entzug der Arbeitserlaubnis verlassen. 1940 wird er Soldat, ist bis 1948 Kriegsgefangener und baut sich 1951 in Stuttgart ein Atelier auf, um das sich wie in der Schweiz ein Künstlerkreis bildet. Er entwirft unter anderem die Logos der Deutschen Bank, von Rewe und Viesmann und ist im Beirat, der für die 'visuelle Gestaltung der Münchner Olympiade' zuständig ist. Mitte der 7oer Jahre widmet er sich wieder verstärkt der Malerei. Mit einer Professur bedacht und vielfach ausgezeichnet stirbt Anton Stankowski 1998.

Jochen Stankowski, 1940 geboren, wird erst Schüler und dann Partner seines Onkels Anton, 'einem Pionier der Markenästhetik'. Nach Studien in Stuttgart und London gründet er einen Grafik- und Druck-Betrieb und den 'Freundeskreis leerer Bücher'. Für zahlreiche Aktionen von Bürgerinitiativen und der Ökologiebewegung übernimmt er die visuelle Gestaltung. 1999 wird er der erste Stadtmaler in Dresden, wohin er anschließend übersiedelt und die Galerie Konkret einrichtet.

Anton und Jochen Stankowskis Arbeiten gehören zur konkreten, abstrakten Kunst. Ihr Ansatz ist derselbe, aber wie sie sich im Leben unterscheiden - der Ältere war ein eher konservativer Bürger, der jüngere ist der abenteuerlustigere und gesellschaftlich Engagiertere - lässt sich in der Ausstellung erkennen, die Fotografien der beiden vorstellt. Anton Stankowskis Serie des Jacketts auf der Schneiderpuppe lotet die gestalterischen Möglichkeiten entsprechend einer künstlerischen Idee aus, bis ins Surreale. Jochen Stankowskis Fotografien aus Tunesien sind Abbilder seiner Faszination von Licht und Schatten auf den Fronten der Häuser, dokumentarisch realistisch. Der Ältere ist hier der Gestaltende, der jüngere der Erlebende. Das Schöne beim Vergleich zeigt, was einen Ausspruch von Anton Stankowski bestätigt: 'Ob Kunst oder Design ist egal, nur gut muss es sein.'

Fotografie war und ist nur ein Teil im Schaffen der Stankowskis, aber ein künstlerisch existentieller. Wenn Anton Stankowski sein Selbstporträt von 1938 in Mehrfachbelichtung auffächert, so macht Jochen Stankowski das Gleiche 1959 mit einer Hand, die den Hammer führt. A. St. fotografiert 1928 einen Strommast mit vielen Kabeln, der wie ein Monument im Bild steht;  J.St. 1986 in Kenia eine baumartige Pflanze, die ebenso das Format füllt. Die Blicke der Fotografen mögen sich ähnlich sein, aber sie sehen Anderes, wie sich die Blicke der Menschen und die Kunst immer neuen Themen und Sichtweisen widmen.

Text zur Ausstellung im 'Atelier Starke-Fotografen' Dresden

Starke