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Die kürzeste Form finden
Jochen Stankowski, der Neffe eines Berühmten, stellt aus
Ralf Sziegoleit, Frankenpost 23-09-08

Selb – Sein Onkel, Anton Stankowski (1906 bis 1998), war als Maler, Grafiker, Fotograf und Pionier der Markenästhetik eine Berühmtheit. Auf gleichen Feldern ist – erfolgreich – Jochen Stankowski, der Neffe, aktiv. Arbeiten von ihm sind jetzt in der Selber Galerie Goller zu sehen.

Vom Onkel ist er, nach einer Schriftsetzerlehre, ausgebildet worden. Hochschulstudien in Stuttgart und London schlossen sich an, ehe er als Mitarbeiter, als Teilhaber sogar in Antons Grafischem Atelier einstieg. Aber schon 1972 – er war 32 Jahre alt – reichte Jochen Stankowski dort seinen Abschied ein. Er wollte, wie Hans-Joachim Goller bei der Eröffnung der Selber Ausstellung sagte, seinen Lebensunterhalt „nicht länger mit Werbung für Kapitalisten verdienen“. In Köln gründete er einen Grafik- und Druckbetrieb und setzte, als Mitherausgeber eines „Volksblatts“, politische Aktionen der Bürgerrechts- und Ökologiebewegung gestalterisch um.

Einen „Zeichensteller“ nennt er sich selbst, in Anlehnung an das, was Schrift- und Schausteller treiben. Logos für Kindergärten und die Obdachlosenhilfe, für Biomöbel und den Lokalfunk, aber auch für Rewe und den Merve-Verlag hat er entworfen. Parallel lief die freie Kunst immer mit, und hier wie dort war und ist die Vereinfachung sein Credo. Stankowski, der seit 1998 in Dresden lebt und arbeitet, will die kürzeste Form für einen Bildinhalt finden. „Reduktion“, sagt er, „ist kein Verlust, sondern Gewinn.“

In der Galerie Goller werden nun zwei Dutzend künstlerische Arbeiten aus den vergangenen zehn Jahren gezeigt. Sie tragen Titel wie „Verzogenes Rechteck“ und „Schwarzer Grund“, auch zwei Blätter „Konkrete Poesie“, die den Betrachter/Leser als Mittäter fordern, sind dabei. Als besonders spannend fallen die Acrylgemälde der Serie „Licht durch Schatten“ auf, die nach Skizzen und Fotos südlicher Architekturen entstanden. Dabei verwandeln sich Häuserbilder in ungegenständliche geometrische Kompositionen. Im Katalog, der dazu vor sechs Jahren erschien, schreibt ein Interpret, hier arbeite ein „impressionistischer Konstruktivist“.

Stankowski selbst betont, dass er stets von Gesehenem und Gefühltem ausgehe. So auch bei der brandneuen Serie „Fraktal“, zu der den Künstler ein Aufenthalt auf Zypern inspirierte. Beim Blick auf die Landschaft wurde dem jetzt 68-Jährigen das fraktale Wesen der Natur bewusst. Er entdeckte, dass die Strukturen der großen Formen sich in den kleinen wiederholen, dass das Endliche eine permanente Fortsetzung bis ins Unendliche erfährt. Ebendies will er durch die Bilder, denen ein Raster zugrunde liegt, vermitteln. Sie transformieren reale Küstenlandschaften in autonome, einer ganz eigenen Logik und Ordnung folgende Gebilde aus Farbe und Form.

In Dresden ist Stankowski seit drei Jahren auch als Galerist aktiv. Seine „Galerie Konkret“ präsentiert Arbeiten von Gleichgesinnten, derzeit von Karl-Heinz Adler und Friedrich Kracht, die beide auch schon Gäste bei Goller waren. Die Frage, wie „konkret“ seine aktuellen eigenen Bilder seien, bringt den Künstler nicht in Verlegenheit. „An den Grundprinzipien konstruktiver Gestaltung“, sagt er, „orientiere ich mich nicht. Mir kommt es allein auf die Ergebnisse an.“

Zur Ausstellung in der Galerie Heidi und Hans-Joachim Goller
Gemeinsame Veranstaltung zusammen mit dem Kunstverein Hochfranken, Selb   

siehe auch: http://www.atelier-stankowski.de/galerie.php?id=149  

Bildtext: ‚Reduktion ist Gewinn’: Jochen Stankowski vor dem Acryl-Gemälde ‚Quadrate, vierteilig’. (Foto Sa)

Goller