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»BildSätze«
Kalender 2015
Martin Stankowski

Wir machen uns Bilder von der Wirklichkeit und drücken sie in Sprache aus. Jeder Satz ist ein »Bild der Wirklichkeit« (Wittgenstein). Umgekehrt evozieren Gedanken, Ideen und Sprache Bilder oder Imagination. Sprache und Bilder sind zwei Seiten der Wirklichkeit, verbal und nonverbal. In den BildSätzen des Dresdner Malers und Grafikers Jochen Stankowski geht es um diese Versuchsanordnung, wobei offen bleibt, was Grund und was Folge ist.

Die Kulturwissenschaften kennen lange Debatten, wie Sprache und Denken zusammenhängen. Eindeutig scheint, dass das Denken der Sprache vorausgeht – wie es andererseits von ihr immer wieder geformt wird. Die Medien des Denkens sind die Sinne. Menschen denken in Bildern, die sie in Sprache kommunizieren. »Wenn ich Worte schreiben will, so stehen mir immer Bilder vor Augen« notierte etwa Goethe 1787 im Tagebuch seiner Italienischen Reise.

Für Stankowski ist es umgekehrt: »Ich möchte gern sehen, was ich denke«. Er bemächtigt sich visuell der Welt in einer Art, die sich auf das Wesentliche konzentriert. Seine Bilder sind Angebote an die Sinne, sind Reduktion auf die Grundprinzipien des Gestaltens. Zugleich eröffnen sie alle Möglichkeiten der eigenen Empfindung, ja der Emotion – denn immer geht es um Konkretion.

Sprache ist selten eindeutig. Sie bewegt sich auf mehreren Ebenen zwischen Information und Emotion. Uneindeutigkeit, Symbol, Sprechen zwischen den Zeilen sind nicht Absicht, sondern Folge kultureller Faktoren wie Herkunft, Geschlecht, Rolle, Bildung. Und vielleicht ist es gerade die visuelle Übersetzung, die die Ufer der Sprache begrenzt und ihr Eindeutigkeit verschafft.

Jochen Stankowski lässt sich von Aphorismen, Erkenntnissen und Sentenzen von Künstlern, Schriftstellern, Wissenschaftlern oder Philosophen anregen, ihre visuelle Entsprechung zu suchen. Und erstaunlich ist, das bisweilen ein Satz mehrdimensional, ein Bild dialektisch ist, aber in der Kombination von Bild und Wort ihre gegenseitige Entsprechung finden: Bild übersetzt Text und Text erläutert Bild.

Sie scheinen zueinander zu gehören, wie die zwei Kugelhälften in ‚Aristophanes’ Rede über den Eros beim Gastmahl im Hause Platons. Die zwei Hälften, die ja ursprünglich eins waren als Kugelmenschen und von Zeus in seiner Wut zerteilt wurden, der so die zwei Geschlechter schuf, die selten genug in der einzig passenden Ergänzung zusammenfinden.

Nach Hegel reduzieren sich die Gesetze der Dialektik im Wesentlichen auf drei: Das Gesetz des Umschlagens von Quantität in Qualität. Das Gesetz von der Durchdringung der Gegensätze. Das Gesetz von der Negation der Negation. In Stankowskis Bildern geht es vor allem um die Suche nach der Durchdringung der Gegensätze, als analytische Methode, aber auch als Wunsch hinter die Dinge zu kommen. Es ist der Wunsch nach Erkenntnis, von der manchmal nur das Dazwischen deutlich wird.