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Der ‚Zeichensteller’ Stankowski
in der Stadtbibliothek
Bad Homburger Woche, Taunusverlag, 4.8.2016

Am Dienstag 9. August, um 19 Uhr wird in der Stadtbibliothek die Ausstellung des Grafikdesigner, Malers und Fotografen Jochen Stankowski eröffnet, dessen Arbeiten unter dem Titel ‚Bilder und Zeichen’ dem Bereich ‚Konkrete Kunst’ zuzuordnen sind. Er selbst bezeichnet sich als ‚Zeichensteller’, als einer, der Zeichen herstellt „und damit an den Schriftsteller oder an den Schausteller oder sogar an den Fallensteller“ erinnert: Fallen für das Auge, das getäuscht wird, aber auch Orientierungshilfen erfährt, wenn Dinge ans Tageslicht kommen, die von gesellschaftlicher Relevanz sein können. Seine Exponate in der Stadtbibliothek konzentrieren sich auf zwei Schwerpunkte: ‚Licht durch Schatten’ mit Skizzen, Fotos und Bilder und ‚BildSätze’, der ‚Dialektik des Sehens’ gewidmet.

Der Kunsthistoriker Stefan von Wiese erklärt zu diesem Thema: „Diese Architekturmalerei zeigt das Wirken von Licht und Schatte in Form und Farbe, in Gestalt und konstruktiven Bildern. Es handelt sich um Transpositionen von Motiven aus dem Nahen Osten mit ihrer verschachtelten, kantigen und flächigen Architektur. Mit den Augen des konstruktiven Künstlers hat Jochen Stankowski aus diesem Kaleidoskop der scharf sich abzcichnenden Formen wie mit dem Messer seine Bildmotive herausgeschnitten. Die Orientbilder bringen die sinnliche Atmosphäre, wenn man so will, das Parfum des Südens ins Werk“.

Zum Thema ‚BildSätze’ stellt der Journalist und Historiker Martin Stankowski fest: „Wir machen uns Bilder von der Wirklichkeit und drücken sie in Sprache aus. Jeder Satz ist nach Ludwig Wittgenstein ein Bild der Wirklichkeit. Umgekehrt evozieren Gedanken, Ideen und Sprache Bilder oder Imagination. Sprache und Bilder sind zwei Seiten der Wirklichkeit, verbal und nonverbal. In seinen Bildern lässt Jochen Stankowski sich von Aphorismen und Sentenzen von Künstlern, Schriftstellern, Wissenschaftlern oder Philosophen anregen, ihre visuelle Entsprechung zu suchen. Und erstaunlich ist, dass bisweilen ein Satz mehrdimensional, ein Bild dialektisch ist, aber in der Kombination von Bild und Wort ihre gegenseitige Entsprechung finden: Bild übersetzt Text und Text erläutert Bild.“ Gerade mit dieser Erklärung erschließt sich, warum diese Ausstellung so gut in die Stadtbibliothek passt und ihr Leiter Klaus Strohmenger gerne zugesagt hat als Heide Kimmel und Wulf Berk ihm die anregenden Arbeiten von Jochen Stankowski gezeigt hat. Die eindruckvolle Komposition on Schwarz und Weiß, zu der Stankowski durch das Hölderlin-Zitat inspiriert wurde: „Ich forderte nicht viel und war gefasst, noch weniger zu finden“, bietet sogar einen direkten Bezug zur Stadt. Der Maler und Musiker Wulf Berk, ebenfalls der Konkreten Kunst zugewandt, und seine Lebensgefährtin Heide Kimmel sind Anhänger der ‚Bauhaus-Idee’. In diesem Zusammenhang haben sie Jochen Stankowski für sich entdeckt, in Dresden Kontakt zu ihm aufgenommen fungieren nun als Kuratoren der Ausstellung.  …

Jochen Stankowski ist 1940 geboren. Nach der Lehre als Schriftsetzer war er Schüler seines Onkels Anton Stankowski in Stuttgart und wurde später auch Teilhaber des Ateliers des bekannten Designers, der etwa das ‚SegelMotiv’ für die Kieler Woche kreiert hat. Anton Stankowski gilt als ‚Pionier der Markenästhetik’ und war Lehrer und Vorbild für eine „ganze Generation von Grafik-Designern“. In späteren Jahren widmete sich Jochen Stankowski der Gründung eines Grafik & Druck-Betriebs, in dem die Aufhebung der üblichen Trennung von Entwurf und Druck, freier und angewandter Arbeit, privatem und öffentlichen Leben erprobt wurde. Außerdem war er Gründer und Herausgeber des ‚Kölner VolksBlatt.’ Seit Ende der 1990er-Jahre lebt Jochen Stankowski in Dresden und hat dort auch sein Atelier.