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Jochen Stankowski/Typotexte
Das Wort als Sinnzeichen
Heinz Weißflog, SAX Januar 2019

Im Verlag der Buchhandlung Walther König/Köln erschien jüngst der Band "TypoTexte" von Jochen Stankowski, seines Zeichens Schriftgestalter, Autor und Maler. Die der konkreten Poesie nahestehenden Covergestaltungen, die in dem Buch in einer Auswahl vorgestellt werden, orientieren sich am individuellen Text, speziell an den vom Merve-Verlag herausgegebenen Büchern, für den der Künstler seit 1970 als Buchgestalter arbeitet und vor allem für die letzte Umschlagseite (die U4) verantwortlich ist. Für die nun bereits 453. Ausgabe des Verlages verwendete er das Zitat des französischen Psychiaters und Psychoanalytikers Félix Guattari aus dessen Essay "Planetarischer Kapitalismus", der 2018 ebendort erschien: "Die Vergangenheit auf dem Gewebe einer offenen Zukunft neu schreiben". Die Rückseite des Merve-Bandes (U4) dominiert die von Stankowski entwickelte Raute (die Merve-Raute), in die das erwähnte Zitat gleich einem kunstvollen Teppich integriert wurde. Die Assoziation des Gewebes durch ineinander verknüpfte Buchstaben, die nur aus der Textur "Gewebe" bestehen, zeigen die Originalität und den erfinderischen Reichtum des Schriftgestalters und Künstlers, seine stets frische und schlüssige Art, die konkrete Poesie mit dem AHA-Effekt der Werbung zu verbinden.


Von Beruf ist der gelernte Schriftsetzer Grafiker, arbeitete als Grafik-Designer und bezeichnet sich selbst als "Zeichensteller" im mehrfachen Wortsinn, weil es ihm im angewandten Bereich, seinem Broterwerb (den er mit eben solchem Elan wie seine Kunst ausübt), aber auch in der freien Kunst immer um die visuelle Zeichensprache, um die Suche nach Formen geht, die er zum "Sprechen bringen will". Jochen Stankowski hat sich der konkreten Kunst verschrieben. Jetzt, in seinem 78. Lebensjahr, hat er Zeit und Ruhe, sich intensiver mit ihr zu beschäftigen und entwickelt überraschend neue Kombinationen aus geometrischen Formen und sprachlichen Artikulationen, die gerade in der schriftinterpretatorischen Tätigkeit für den Merve-Verlag ihren künstlerischen Höhepunkt finden. Im Buch sind eine Auswahl von 60 Entwürfen für die Publikation (der U4-Seite) zu sehen. Dabei wird die Rückseite "zum Hoftor oder Gartentür zur Merve-Welt". Das jeweilige Schriftkonstrukt entnimmt dem Text seinen unmittelbaren Sinn in Gestalt eines wesentlichen Zitats und wird zum Sinn-Zeichen grafisch umgeformt.


Vom Merve-Verlag werden unter anderen französische Autoren vorgestellt, die Fragen nach der Zukunft des Menschen aufwerfen und eine permanente gesellschaftliche und individuelle Unsicherheit konstatieren. Konstruktive Kapitalismuskritik wird geübt. Durch die besondere Aufmachung der Merve-Bücher haben viele Autoren Erfolg mit ihren Texten gehabt. Die Bücher im B6-Format bestechen durch ihre Handlichkeit und ihre einprägsame Reihenform, einfarbig, sachlich und schlicht und gehören in die Bibliothek jedes an Philosophie, Psychologie, Ästhetik und Kunst interessierten Zeitgenossen. In der Buchhandlung Büchers Best (Louisenstraße 37) wird ein Teil der Entwürfe in einer Ausstellung von Jochen Stankowski vorgestellt.

Jochen Stankowski "Typotexte"
Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln  
ISBN 978-3-86-335-960-7, 14.80 Euro