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Uneitel radikal
Mit Plakaten haben Jochen und Martin Stankowski das politische Köln geprägt
Felix Klopotek - Kölner Stadtrevue 12-2020

Linke und Kunst - ein ganz schwieriges Thema, gerade weil so9 viele Künstler auch Linke waren. Wo endet die Autonomie der Kunst und begann der politische Auftrag? Oder ist das schon die falsche Frage? Der Ausstellungskatalog 'Anschläge' Plakate auf 5 Jahrzehnten der Brüder Jochen und Martin Stankowski, gleichzeitig eine Dokumentation ihrer gemeinsamen politischen Arbeiten, vermisst ein noch heikleres Thema: Agitprop.

Agitprop ist 'Form follows Function' in seiner offensichtlichen Art, hier geht es nicht um ein ausbalanciertes Verhältnis von Kunst und Politik, sondern allein um die Botschaft - heißt es. Die Pointe der Plakatarbeiten und öffentlichen Interventionen der Stankowski-Brüder besteht nun darin, dass die 'Function' selbst eine Form besitzt, die ästhetisch vermittelt sein muss, um ihren Zweck - die politische Aufklärung - zu erfüllen. Jochen hat das bei seinem Onkel Anton Stankowski gelernt, einem der bedeutendsten Grafiker und Künstler des Konstruktivismus des 20. Jahrhundert. Er reduzierte seine Bildsprache auf ein Minimum an Elementen und streng abgezirkelten Formen, die er dann aber überraschend frei und unbefangen kombinieren konnte. Von ihm stammt das Logo der Deutschen Bank. Jochenn selbst Grafiker - er gestaltet bis heute die Bücher des Merve-Verlags - und freier Künstler, übertrug diesen Formenkanon und die ausschließlich rationalen Gestaltungsmittel auf politische Plakate. Die geraten dadurch unsentimental und schlicht, sind aber doch so raffiniert komponiert, das ihre Gestaltung der 'eigentlichen' Botschaft umso mehr unterstreichen.

Diese Botschaft stammt nicht selten von seinem Bruder Martin, auch heute noch einer der bekanntesten kritischen, links engagierten Stimmen im städtischen Diskurs. Beide Brüder gründeten 1972 in Niehl eine selbstverwaltete Druckerei, sie engagierte sich mit Wandzeitungen für die Sozialistische Selbsthilfe Köln und unterstützten Ende der 70er Jahre den heftigen Häuserkampf um bezahlbaren und selbstbestimmten Wohnraum. Beide waren beim 1974 gegründeten 'Kölner VolksBlatt' aktiv, dem 'Zentralorgan der Bürgerinitiativen'.

'AnSchläge' ist ein praktisches Anschauungsbuch. Man findet hier viele Beispiele, wie man abseits des Mainstreams und zugleich uneitel und ohne Effekthascherei gestalterisch arbeiten und politisch agieren kann. Sich damit auseinanderzusetzten ist kein Feierabendspaß. Denn wie gesagt: Wenige ist so schwierig wie der Verhältnis der Linken zur Kunst.

'AnSchläge', Verlag der Buchhandlung Walther König Köln, 16 Euro, www.atelier-stankowski.de/publikationen.php

Im November 2020 bestückte die Verlags-Buchhandlung König in der Kölner Ehrenstraße seine Schaufenster mit Plakaten der kontroversen Themen wie Stadtzerstörung, Häuserabriß, Psychiatrie, Stollwerck, Peter Ludwig oder Isolationshaft im Knast Köln Ossendorf - Erinnerungen zur Kölner Zeitgeschichte.

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