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J. Stankowski in der  'Köln International School Of Design'
Nachbesprechung,
Jürgen Kisters, 2005

Der Maler und Grafiker Jochen Stankowski stellte in der Köln International School Of Design ein eindrucksvolles Buch über seine 40-jährigen Arbeitspraxis vor.

Innenstadt-Süd - Jeder hat vielleicht schon einmal die sparsame Klarheit der inzwischen legendären Buchumschläge des Merve-Verlags in einer Buchhandlung bemerkt. Und wer kennt nicht das bekannte Firmen-Zeichen von Bosch, das eine kompakte Batterie darstellt? Und ganz sicher stößt man immer wieder im Alltag auf das schlicht-prägnante Logo des Rewe-Konzerns. Diese wie Hunderte anderer Firmenlogos, Zeichen und grafische Entwürfe stammen von Jochen Stankowski, der gerade sein neues Buch "Zeichen - Angewandte Ästhetik" (erschienen im Buchverlag Walther König) in der Köln International School Of Design - KISD öffentlich vorstellte. Dabei geht es nicht um irgendein weiteres Buch über Theorien zu Grafik und Design. Vielmehr ist es die kompakte Sammlung von Entwürfen, Zeichnungen und Grafiken aus über 40 Jahren grafischer Arbeitspraxis in allen Medien: Werbeanzeigen, Flugblätter, Plakate und Zeitungen, Briefköpfe, Kalender, Ladenschilder oder Arzneimittelpackungen.

Das umfangreiche Buch mit über 1500 Abbildungen zeigt, dass vor allem die Entwicklung von Zeichen Stankowskis große Stärke ist - als Schaffung visueller Marken, welche durch ihre Unverwechselbarkeit in der reizüberfluteten Medienwelt bestechend sind. Dieses Handwerk hatte er zunächst im Atelier seines Onkels Anton Stankowski, einem bekannten deutschen Grafiker und Pionier der Medienästhetik und konstruktivistischen Maler, in Stuttgart gelernt. Ausgebildet als Typograph und Grafiker mit einer schon in jungen Jahren beachtlichen Erfahrung ging der 1940 im Sauerland geborene Stankowski Ende der 60er-Jahre nach Köln. Hier gründete er im Zuge der Studentenbewegung mit anderen zusammen das Kölner Volksblatt, Deutschlands erste sogenannte Alternativzeitung, und entwickelte das Konzept eines Druck-Betriebs, das beispielhaft politische und ästhetische Arbeit miteinander verknüpfte und für viele freie Bürger-Initiativen eine wertvolle Hilfestellung in allen druckgrafischen Fragestellungen darstellte. Gleichzeitig pflegte Stankowski stets eine freie malerische Arbeit, die bis heute beharrlich den in den 20er-Jahren vor allem in Russland und am deutschen Bauhaus entwickelten konstruktivistischen Kunstansatz aktualisiert.

Wie nur selten bei Kreativschaffenden gehen der freie und der angewandte künstlerische Bereich in Stankowskis Arbeit unauflösbar ineinander über. Sie stellen nicht den üblichen Gegensatz, sondern vielmehr ein produktiv einander befruchtendes Ergänzungsverhältnis dar. "Weil es all das in eine sehr anschauliche Beziehung rückt, ist das Buch sehr wertvoll für derzeit Studierende im Bereich von Grafik und Design," betonte denn auch Professor Michael Erlhoff, Direktor der KISD in seiner Einführungsrede. "Das Werk gibt denen Kriterien an die Hand, die als Entscheider an der Entwicklung von Marken oder visuellen Profilen beteiligt sind und zeigt Studierenden Wege, die zu einer überzeugenden Zeichensprache führen," so das Fazit der sehr gut besuchten Veranstaltung, die in allen Generationen auf großes Interesse stieß. Das lag nicht zuletzt auch daran, weil viele Weggefährten aus früheren Tagen die Buchvorstellung für ein Wiedersehen mit Stankowski nutzten. Vor einigen Jahren ist er überraschend nach Dresden übergesiedelt, "näher in die Gegend des von ihm so bewunderten Bauhauses." Und dort entwickelt der "Zeichensteller", wie er sich selbst nennt, nicht nur weiter seine unnachahmlichen Zeichen, sondern er betreibt dort inzwischen auch eine kleine Galerie zur Pflege und Verbreitung der im aktuellen Kunstgeschehen größtenteils verschwundenen konstruktivistischen Kunst.