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Orientierung durch  Zeichen
Zur Arbeit von Jochen Stankowski
Dr. Stephan von Wiese, 1993

Ein Wort Vilém Flussers aufgreifend, versteht sich Jochen Stankowski als bildnerischer  'Zeichensteller'.  Diese ungewöhnliche Begriffsverbindung löst herkömmliche terminologische Zusammenhänge auf, bringt die üblichen semantischen Ver-knüpfungsformen in Bewegung.

Ein Zeichensteller verbindet – läßt man den Assoziationen freien Lauf – etwa Tätigkeitsmerkmale des Schriftstellers und des Schaustellers, vereint hohen künstlerischen Anspruch mit der Trivialität und Banalität des täglichen Lebens. Er stellt mit seinen Zeichen gleichsam Fallen: Sehfallen in der und für die Öffentlichkeit. Man erblickt unvermittelt das zuvor Nicht-Wahrgenommene, überlegt das zuvor Nicht-Bedachte. Der Zeichensteller hilft bei der Orientierung. Mit seinen Zeichen, die er setzt, macht er also Dinge sichtbar.

»Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar« – diesen berühmten Satz von Paul Klee praktiziert auf seine Weise auch der angewandte Typograph, der Maler, der Drucker, der Zeichensteller Jochen Stankowski. Er hilft aktiv dabei mit, Dinge ans gesellschaftliche Tageslicht zu bringen. Mit seinen graphischen Arbeiten – von der Anzeige, dem Flugblatt, dem Plakat bis zur Zeitung, zum Buch – wird Stankowski gewissermaßen die typographische Hebamme zur Sichtbarmachung von Problemfeldern, von Interessenkonflikten, wirbt für Ideen, für Gruppen, für Menschen. Dabei steht er gerade auf der Seite derer, denen das bildnerische ABC weniger vertraut ist, denen die Hochglanzseiten der Medienwelt weniger zur Verfügung stehen.

Das bildnerische Vokabular reicht dabei von der Fotografie, der freien Pinselzeichnung – etwa der unendlichen Variationsreihe von vier frei gesetzten Linien – bis hin zur an Malewitsch, Lissitzky, Rodtschenko orientierten konstruktivistischen Arbeit.

Bei Stankowski liegen alle Tätigkeiten der visuellen Gestaltung in einer Hand: die Überarbeitung des Informationsmaterials, der bildnerische Entwurf, manchmal sogar der Druck oder die Plakatierung. Die gewohnte Arbeitsteilung wird überwunden: Der Zeichensteller Stankowski steht für alles ein. Er ist nicht Handlanger, sondern Betreiber. Er stellt seine Fallenzeichen noch selber auf. Das Denken der russischen Produktionskunst, der Bauhauszeit wird hier weitertransportiert, wird auch über Durststrecken der bild-nerischen Übersättigung weitergereicht.         

siehe auch: http://www.atelier-stankowski.de/publikationen.php?id=37