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Feliks Topolski
Format 11/1967

Die Fotografie ist heute das typische Mittel der Reportage. Daß es aber immer noch Zeichner, Maler und Illustratoren gibt, die man Bildberichterstatter mit der Feder nennen kann, wissen nur wenige.

Ich besuchte einen. Er heißt Feliks Topolski, wohnt in London und hat sein Atelier unter einer Eisenbahnbrücke: Brückenbogen 158 unter der Charring-Cross-Line am Südufer der Themse. Alle Brückenbogen sind benutzt. Viele haben sich dort eingenistet: Autowerkstätten, Glaserei, Lagerhallen, Restaurants.

Ich stand vor einem großen Fenster, verschmutzt, mit braunen, verblichenen Bogen voller Zeichnungen zugehängt. Züge ratterten vorbei, ich musste laut klopfen. Dann der Empfang.

Sofa, Sessel, chinesischer Tee, das Gespräch. "Warum solche Zeichnungen?". "Nein, keine Dogmen, nur was ich sehe. Es ist interessant, dem aktuellen Weltgeschehen zuzuschauen. In China kaufte ich mir diesen Leporello und zeichnete im fahrenden Zug. Hier sind Skizzen aus den Debatten der UNO über Rhodesien; ich malte die UNO auf ein großes rundes Brett, wenn Sie es ganz schnell drehen, verschwimmen alle Formen."

Der Papst in Israel; Oktoberfest in München; Kuba; königliche Gesellschaft; Krieg in Indonesien; zwei Deutschlande; Spanien; die englische Frau; Republik Kongo. Das sind nur einige Titel, die Feliks Topolski bisher in seiner Reihe "Topolski's Chronicle" herausgab. 1907 in Polen geboren, studierte an der Kunstakademie in Warschau, dann Studienreisen in Italen und nach Paris, 1935 Auswanderung nach England, entwarf dort unter anderem Bühnenbilder und Kostüme, zeichnete 1940 bis 1945 als "war-artist" an vielen Fronten, malte im Buckingham-Palast die Krönung Elisabeth II. 1953 erschien seine erste Chronicle. Jede Ausgabe hat 24 Zeichnungen mit verschiedenen Themen. Die vierzehnte und neueste Ausgabe trägt den Titel "Asien" (nach der Reise im letzen Jahr). Jede Ausgabe kostet etwa 48 DM.

Topolski führt seine Arbeiten alle selber aus. Er ist sein eigener Bildberichterstatter, Texter, Drucker und Verleger.

Was ich vorhabe? "Hier bleiben und malen! Viel malen! Doch wenn irgendwo was lost ist bin ich viel zu neugierig, um nicht hinzufahren."

Jochen Stankowski

Siehe auch: www.felikstopolski.com

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