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Anschläge - Plakate aus 5 Jahrzehnten im Kollwitz-Haus
Heinz Weißflog, SAX Personenkult 11/2020

"In der Ausstellung mit 40 ausgewählten politischen Plakaten aus 5jahrzehnten im Käthe Kollwitz Haus in Moritzburg bekundet der Dresdner Maler und Grafiker, Buchgestalter, Schriftsetzer und Designer Jochen Stankowski beispielgebend seine Grundhaltung zu einem politisch aktiven Leben, das vom Engagement für die Schwachen der Gesellschaft, sozialen Frieden und Solidarität gekennzeichnet ist.

In einer vielköpfigen Familie in den Kriegsjahren aufgewachsen und unter dem prägenden Einfluss des Vaters entwickelte er früh soziale Kompetenz und Einfühlungsvermögen, aber auch widerständiges und kritisches Verhalten gegenüber Autoritäten (so untersagte er dem Sohn, in der Schule 1947 das Deutschlandlied mitzusingen). Eher dem Anarchistischen zugetan, schloss er sich zeitig der katholischen Jugendbewegung an und trat aus der Kirche aus. 1940 in Meschede geboren, absolvierte er 1954 eine Lehre als Schriftsetzer und entschied sich 1965 bewusst für ein zweijähriges Studium im multikulturellen London am dortigen College of Printing. Sein Onkel Anton Stankowski, bekannter Grafiker in Stuttgart, nahm ihn 1967 als Partner in sein Atelier. 1972 gründete Stankowski mit Bruder und einem Freund den DruckBetrieb in Köln. Dort erschien ab 1974 das „Kölner Volksblatt“, eine avantgardistische Zeitung für jedermann.

Sein erstes Plakat schuf er bereits als Schriftsetzer, verstärkt aber in den 1970er Jahren das politische Plakat, Flugblätter, Broschüren und andere Medien. Sein ihm liebstes Plakat reflektiert seine achtzehnmonatige Arbeit im Wehrersatzdienst als Pfleger im Psychiatrischen Landeskrankenhaus Wiesloch bei Heidelberg Anfang der 1960er Jahre. Unter dem Titel „Schafft die Irrenhäuser ab“ entstand 1979 ein kritisches Plakat zum Missbrauch und Gewalt an psychisch Kranken. Natürlich stießen seine antiautoritären Aktivitäten gerade mit dem politischen Plakat auf den Widerstand der Institutionen. Aber jedes Verfahren gegen ihn und seine Mitstreiter wurde schließlich eingestellt.

Die Arbeit für das Käthe Kollwitz Haus in den vergangenen Jahren beschränkte sich nicht nur auf einen grafischen Zyklus zu ausgewählten Tagebuchzitaten der Kollwitz. Jochen Stankowski fühlt sich dem Haus verbunden und unterstützt es mit seinem umfangreichen grafischen und gestalterischen Wissen. Käthe Kollwitz Haltung zur Kunst gipfelt in dem Wort „Ich bin einverstanden, dass meine Kunst Zwecke hat“.

Stankowski überschrieb damit sein künstlerisches Credo für den Katalog zur Plakatausstellung in Moritzburg, den er gemeinsam mit seinem Bruder Martin gestaltete. Vom politisch engagierten bis zum sozialpsychologischen Plakat („Von dir aus gesehen bin ich du“, eine seiner ihm liebsten Arbeiten mit zwei ineinander verschränkten roten Quadrate), über die Themen Abrüstung, Kirche, Paragraph 218 (Abtreibung), Knast und Bürgerprotest zeigt das Käthe Kollwitz Haus die besten Plakate unter dem porovokanten Titel „Anschläge“. ... "  

Verlag der Buchhandlung Walther König Köln, 16 Euro, mehr Infos hier

Foto: Norbert Miltauer    

Anschläge moritz