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Strenge Formen
Bilder von Joachim Stankowski in Leonberg
Stuttgarter Zeitung, 5. November 1984

oben: Dialektisches Bild 24, oben-unten, 1982

In der Durchdringung der Gegensätze sieht der in Köln lebende Joachim Stankowski, Jahrgang 1940, mit Recht einen Aspekt der Dialektik, der die Philosophen seit Lao-tse immer erneut beschäftigt hat. In seinen quadratischen Bildern, jeweils vom Format 30 mal 30 Zentimeter, versucht er Möglichkeiten und Annäherungswerte der Durchdringung in geometrischen Formen sichtbar zu machen. An den Wänden der Galerie Beatrix Wilhelm in Leonberg, in der die Arbeiten bis zum 10. November zu sehen sind, ordnen sich die sechsunddreißig visualisierten Begriffspaare zu einem farbigen Band strenger Formen.

Daran kann der Betrachter die Dialektik des Sehens schulen, etwa an Gegensatzpaaren groß-klein, lang-kurz und matt-glänzend. Stankowskis Versuche, die Einheit der Gegensätze darzustellen, gehen vom metrischen Raum aus, beziehen aber auch den "emotionalen", auf gefühlsmäßiger Erfahrung beruhenden Raum ein. Bei aller Strenge wirken die bildnerischen Ergebnisse spielerisch leicht. Joachim Stankowski, ein Neffe des Stuttgarter Altmeisters Anton Stankowskis der Konkreten Malerei, veranschaulicht seine Thematik "mit einer schrägen Linie und einem inneren Quadrat".

Im variierenden Gebrauch dieser Formen und ihrer Verdoppelung und Erweiterung durchquert er den ganzen Bereich der "Konkreten Kunst", um zu seinen kleinen "Dialektischen Bildern" zu gelangen, in denen auch gelegentlich deutlich wird, daß Gegensatzpaare untereinander fließend sein können. Wer sich am pädagogischen Eros nicht stört, der dieser Bildergruppe zugrunde liegt, wird von den Versuchen Jochim Stankowskis einen positiven Eindruck haben. Günther Wirth