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Zwischen den Jahren - Projekt Z-Null
Jürgen Kisters, Kölner Stadtanzeiger, 4. Januar 1992

Abb. oben: Jochen Stankowski zeichnet vor Galerie eine Linienform individuell für Besucher.

"Zwischen den Jahren" heißt eine Ausstellung mit Kunst von Winfried Beck, Martin Knipphals, Thomas Behrendt und Jochen Stankowski. Die Tage um den Jahreswechsel versprechen Ruhe und wecken Neugier - und so ist Kunst genau das Richtige. Haikus etwa, wie sie Thomas Behrendt in schwarzer Schrift auf weißen Fahnen an Ästen befestigt: textliche Augenblickschilderungen, die zu tiefen Einsichten werden.

Besinnlichkeit versucht auch Martin Knipphals zu erreichen: in schwarzen Tuschgesten, die sich satt auf braungetränktem Papier abheben, oder in braunen Flächenbildern, die ohne jede deutlichen Gesten auskommen.

Wiederum anders schafft Jochen Stankowski mit schönen schwarzen Tuschebildern einen stillen Zustand zwischen Spiel und Nachdenklichkeit. In Dutzenden kleinen Zeichnungen variiert er jeweils vier kurze Striche zu einer je verschiedenen Figur: vier Elemente, die eine Zeichnung schaffen, darin ein anschauliches Geheimnis und das Prinzip jeder Sprache vor Augen führen.

In einer weiteren Serie kleiner Bilder experimentiert Stankowski mit Dreiecken, Blöcken, Linien oder Kreisen, um auf einer gefühlsmäßig-hintergründigen Weise in der Annäherung, Durchschneidung oder Auffächerung von Flächen erstaunliche Erkenntnisse über die Gegensätze, Gleichgewichte, Verunsicherungen und Harmonien unserer Erfahrung anzudeuten. Abstrahieren diese konstruktiven Bilder von den real vorkommenden Dingen des Lebens, stürzt sich Winfried Beck in Malerei und Objekten mitten in sie hinein. Er collagiert mit Landkarten und Federn, bemalt Türen und Holzstücke, bastelt mit Schaufeln und Spiegeln, um der Welt die Gegenstände eine farbige Hülle der Phantasie überzuziehen.

Die künstlerischen Ansätze von Beck, Knipphals, Behrendt und Stankowski liegen weit voneinander entfernt und demonstrieren zuallererst Unterschiede. Aber so wie "zwischen den Jahren" die Bereitschaft für die Erfahrung des Übergangs für ein paar Tage größer ist als sonst, wollen künstlerische Positionen dieser Art gewöhnlich auch übers Jahr die Aufmerksamkeit für die grundsätzliche Qualität von Übergängen schärfen.

Abb.  90 Pinselgrafiken, 16 × 21 cm, 1988 - 5 Drucke 45 x 60 cm mit 45 Zeichen zu beziehen unter info@atelier-stankowski.de

Das Auge gruppiert die 4 Striche, es sieht Progressionen, Ausreißer, Veränderung, es sieht Zeichen für Bewegung wie Fliegen, Schweben, Aufsteigen, aber auch abstrahierte, pflanzliche Bilder oder Quallen und auch gegenstandlose Zeichen als Empfindungen wie Zusammenhalten, Kraft, Überbrücken ...