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Sprung vom Rhein an die Elbe
Dresden hat jetzt auch einen Stadtmaler: Jochen Stankowski
Sächsische Zeitung, 25. November 1998, Bettina Schneider

Jochen Stankowski vor der Galerie und Künstlerwohnung der "AnStifter" in Dresden

Ich bin ein Zeichensteller und Grenzgänger, sagt Jochen Stankowski. ... Jetzt ist er ein dreiviertel Jahr als Stadtmaler im Haus an der Grenze in Klotzsche anzutreffen. Für diese Zeit erhält er frei Kost und Logie. Finanziert wird das Ganze - wie beim Stadtschreiber - über das Bürgerprojekt Die AnStifter.

Jochen Stankowskis Arbeiten leben von der Reduktion, zeigen eine Konzentration auf das Wesentliche, bringen - und das wörtlich - vieles auf den Punkt. "Ich arbeite in zwei Richtungen, das eine ist die Formfindung, der Konstruktivismus, Fingerübungen. Das andere ist eine gefühlsmäßige, fast körperliche Art, mit der ich auf Bilder komme", sagt er. Das er dabei in Ausnahmefällen auch manchmal runde Formen zuläßt, hängt wohl mit seinem Harmoniebedürfnis zusammen.

Der gelernte Schriftsetzer kam über den Beruf zu seinen künstlerischen Themen. Bauhaus und Schweizer Typografie waren erste Ansätze. Sein schöpferischer Weg führte weiter, über die Ausbildung zum Grafik-Designer und Fotografen, der Kunstakademie Stuttgart - 1965 - über ein mehrjähriges Auslandsstudium als Grafik-Spezial-Student am London College auf Printing.

Seit 1966 ist Jochen Stankowski auf vielen Ausstellungen vertreten: London, Frankfurter Buchmesse, Kassel, Leipzig, Berlin und immer wieder Köln, seine Wahlheimat. Die Gründung des eigenen Grafik- und Druck-Betriebs Rode-Stankowski 1972 in Köln gibt ihm Freiheit, Entwurf und Druck zu einen, frei und angewandt zu arbeiten, privat und öffentlich, kommerziell und politisch.

Der Sprung von Köln an die Elbe erfolgte spontan. "Es war Neugier. Ich wollte mich neu in einer fremden Stadt definieren, neue Leute treffen", sagt Jochen Stankowski. "Hier kann ich einmal nur malen, das ist eine ungeheure Faszination."

Wie Peter Grohmann, Koordinator des Bürgerprojektes versichert, soll auch weiterhin neben dem Stadtschreiber ein Stadtmaler im Haus an der Grenze anzutreffen sein. "Die Räume sind ideal und Platz ist genügend vorhanden", so Peter Grohmann. "Es kann natürlich auch ein Stadtbildhauer sein."

War Stankowskis Stadtmaler-Gastspiel noch ein spontanes Projekt, so soll die Stelle künftig ausgeschrieben werden: vorausgesetzt, es ist genügend Geld in der Kasse.

Ausstellung: Brücken-Zeichen-Verbinden", Bilder und Collagen im Haus an der Grenze. Unten: Blick auf die Augustusbrücke Dresden, Collagen, 30 × 40 cm, 1998