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Quell Tunesien: Licht und Schatten
Der (inoffizielle) Stadtmaler im Haus an der Grenze
DNN, 7. Apríl 1999, Peter Grohmann

Jochen Stankowski in seiner Ausstellung "Licht durch Schatten" in der Galerie der AnStifter.

Dresden ist die erste Stadt in Deutschland mit einem "Stadtmaler". Freilich ist diese Stelle noch nicht offiziell ausgeschrieben wie die des Stadtschreibers, sondern resultiert aus der privaten Initiative eines Vereins. Doch Jochen Stankowski, Maler und Grafikdesigner aus Köln, residiert nun für rund ein Jahr im Klotzscher Haus an der Grenze der AnStifter, seit Ostern mit dem neuen Nachbarn Wulf Kirsten, den die Jury für ein halbes Jahr als Stadtschreiber von Weimar nach Dresden rief und gestern das Gartenhaus bezog. Wenn dann noch Bildhauer dazu kommen, wie es sich das Bürgerprojekt wünscht, wird der Ort zu einem Refugium, in dem Lesungen, Konzerte und Kabarett angeboten werden. Zu dem gehört die nicht kommerzielle Galerie der AnStiftung. Sie zeigt im Wechsel ungewöhnliches - eine Malerin aus Polen, Kunst aus Rußland, Bilder des Fotografen-Ehepaars Rüth aus Essen, Kinderbilder, avantgardistische Skulpturen und nun Grafiken und Bilder des Konstruktivisten Stankowski.

Dessen Bilder entstehen als Themengruppen. "Als ich von Köln nach Dresden kam", erzählt er, "genoß ich als erstes den wunderschönen Blick auf die Elbe. Vor meinen Augen die Augustusbrücke und das Gefühl von Überbrücken, Brücken bauen - oder abbrechen." Aus der Begegnung mit der Stadt und Fluß ist ein Brückenprojekt entstanden, eine Art kulturhistorische Führung mit Literatur und Musik, Bildern und Begegnungen auf, über und unter den Brücken. Starten wird das Projekt der AnStiftung (heute: AnStifter) am 13. Juni 1999 am Blauen Wunder.

Seine zweite Ausstellung widmet der Stadtmaler Tunesien. In die spartanische Atmosphäre der Galerie setzt Stankowski 50 Bilder, die sich durch Strenge in Form und Farbe auszeichnen. Als Einführung sind 100 Skizzen zu betrachten: streng geometrisch geordnet, sparsam in Form und Farben, Kinder der später entstandenen Werke und ein großes Versprechen.

Die Arbeiten nennt Stankowski "Licht durch Schatten". Ihren Ursprung haben sie in Tunesien, wo die Luft im Frühling noch kühl, die direkte Sonne aber schon sehr heiß ist. Kühle, Kälte und Hitze wechseln hier exakt wie Licht und Schatten - ein Wechsel auf einer harten und klaren Linie. Klar und scharf, wie vom Messer geschnitten sind diese schnurgeraden Trennungen, verlaufen an den weißen Wänden der Gebäude, verlieren sich im dunkelblauen Himmel, wechseln in spitzen Winkeln die Richtungen. Diese Linie trennt Flächen: einerseits das klare, helle, fast leuchtende nordafrikanische Licht. Es zeigt sich heftig auf den weißen, kubischen Bauwerken und Mauern, nur unterbrochen von sparsamen runden und eckigen neuen Formen, Schatten spendend andererseits - Schatten, die ins Tiefschwarze führt.

Wenn man will: Naturalismus in der reinsten Form - direkte unverfälschte Gegenständlichkeit, Licht, Schatten, Bewegung. Denn im Versuch, Realität zu fixieren, stellt Stankowski fest, daß sich Formen und Farben noch während des Skizzierens verändern, langsam und still bewegten im Lauf der Sonne. Also: Starre und Bewegung.

Der Blick aufs Wesentliche will gelernt, geübt sein. Dem Betrachter erschließt sich manches erst nach mehrerem Hinschauen - dann als Überraschung, als Gleichklang von gemaltem Bild oder harter Grafik und Realität: Stankowski stellt seinen Bildern Fotos gegenüber, läßt uns seinen Blick nachvollziehen.

Abb.: Blick in die Ausstellung - Bilder-Fotos-Skizzen