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Jochen Stankowski
V  I S U E L L E   M E M O I R E N
"Ich wollte schon immer sehen, was ich denke".

384 S., 21x21 cm, 45 Euro
mit ca. 3.000 Abbildungen
Verlag der Buchhandlung
Walther König, Köln
ISBN: 978-3-96098-651-5

Es ist die Antwort auf die Frage: Was ist darstellbar? Bilde ich die Themen ab oder entstehen Empfindungen dann, wenn wir eine Darstellung sehen? Welche abstrakten, nämlich gegenstandslosen Themen lassen sich ausdrücken, beschreiben, und das heißt im oder als Bild darstellen?
Welche Eindrücke werden zu Gedanken? Können Gedanken Grundlage für visuelle Darstellungen sein?

 

Buchbesprechung von Heinz Weißflog (DNN 25. Mai 2020)

„Ich wollte schon immer sehen, was ich denke“
Visuelle Memoiren: der Konstruktivist, Grafiker, Designer, Buchgestalter und visueller Philosoph Jochen Stankowski wird 80 Jahre alt.

Zu Jochen Stankowskis 80. Geburtstag ist im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, ein umfangreicher Band unter dem Titel „Visuelle Memoiren“ erschienen, ein Erinnerungsbuch des Künstlers an seine lebenslange künstlerische Beschäftigung mit dem Konstruktivismus, dem Design, der Buchgestaltung und der visuellen Poesie sowie deren philosophischer Interpretation. Das Buch, das Stankowskis Lebenswerk umreißt, ist ein lebendiges Beispiel für die Haltung eines Künstler-Philosophen, der in seinem Wirken und Arbeitsbereich bis heute neue Wege geht. Immer beschäftigen ihn die medialen Ebenen, die einander bedingen und sich durchdringen, darunter das Visuelle und die Sprache, Wort und Bild. Der Band enthält 42 ausgewählte Themenkapitel von „Punkt“ (Anfang) bis „Zeichen“ (Signale), die die akribische Forschungsarbeit an neuen Ausdrucksvarianten des Konstruktivismus streng und logisch sowie werkbiografisch geordnet belegen.

Grundlage des Buches sind einige tausend, über ein ganzes Leben angehäufte Entwürfe und Skizzen mit Bleistift, Feder und Pinsel, Drucke, aber auch Formen- und Farbexperimente. Stankowski beschritt Neuland, erhielt Anregung von den Konstruktivisten-Urvätern, suchte nach neuen Möglichkeiten immer im Zusammenhang von Form und Sprache, sowie der Beobachtung von Natur, Poesie und Wissenschaft, die er analysierte und in abstrakte Formen überführte: Sein Credo: „Ich wollte schon immer sehen, was ich denke.“ zeigt anschaulich den Weg, den er beim Arbeiten dorthin beschreitet. Seine Ideen findet er über einen Gedanken (den eigenen oder fremden) oder durch Beobachtung (innen und außen). Die sprachliche Form wird in einem komplizierten, dialektischen Prozess (es genügen zwei Punkte oder eine Linie) visuell umgesetzt. Aber auch umgekehrt sind visuelle Phänomene Gegenstand des Sprachlichen.

Im Zentrum des opulenten Bandes steht das Kapitel 11 „Gegensatz, visuell“, ein Versuch zur Dialektik des Sehens. Bereits 1982 schrieb Stankowski 36 sprachliche Gegensatzpaare auf eine Kladdenseite, z.B. über-unter, rechts-links, tief-hoch, steil-flach. Diese sprachlichen Paare versuchte er auch formal auszudrücken, z.B. hin und her als Pendel, innen und außen als Kreis im und außerhalb eines Würfels: Hier schrieb der Autor 1982: „Jede Skizze ist eine Art Tasten. Ich zeichne jeden Impuls auf und schauen dann – auch oft mit Abstand –, ob in ihr die Lösung zu finden ist. Das Auge hat ein eigenes Gehirn. So betrachte ich alles, was aus dem Stift kommt.“ ...